Freitag, März 24, 2006

Pilgerfahrt nach Einsiedeln


Gestern fuhr ich nach Einsiedeln zur schwarzen Madonna. Wie immer war ich beeindruckt von der Klosterkirche. Die barocke Fülle von Farben und Formen brachte mich zum Staunen. Weil im Innern der Stiftskirche eine Messe gefeiert wurde, befand ich mich fast allein in der Gnadenkapelle. Ausser mir war da noch eine ausländisch ausssehende Frau. Auf ihrem Kopf thronte ein Hütchen und auf ihrem Gesicht lag ein entrückter Ausdruck. Sie kniete auf dem Boden mit weit ausgebreiteten Armen. Als sie mich sah, unterbrach sie ihr Gebet, stand auf und wünschte mir Frieden. Dann wandte sie sich um und begrüsste auch die zahlreichen Engel, die überall an Kuppel und Wänden vorhanden waren. Sie winkte den Heiligenbildern zu und unterhielt sich mit jeder der Statuen, die für sie alle lebendig schienen. Ich lauschte ihren geflüsterten Worten und erwartete fast die Antwort der Heiligen auch zu hören.
Ich war ganz fasziniert und meine Andacht war dahin!
Ich zündete drei Kerzen an und betete bei der ersten für das Wohlergehen aller Menschen, bei der zweiten speziell für meine Familie und bei der dritten für alle meine (Blogger-)Freunde.

Ich war erstaunt, in Einsiedeln noch so viel Schnee vorzufinden.
Zum Mittagessen traf ich mich mit meiner lieben Schwiegermama. Wir plauderten gemütlich über Gott und die Welt!

Altes Gebet:

"Maria, mit dem Kinde lieb,
uns allen Deinen Segen gieb."

Donnerstag, März 23, 2006

Süden

Es regnet und ich habe schon wieder Sehnsucht nach dem Süden. In den Zug einsteigen und ab nach Süden! Das tönt sehr verlockend!
Ich habe mir nur des Titels wegen, ein Büchlein von Iso Camartin gekauft. Der Schriftsteller war mir bis anhin unbekannt. Er ist 1944 in Chur geboren, lebt jetzt in Zürich und leitet dort seit 2000 die Kulturabteilung des Schweizer Fernsehens.
Das Büchlein heisst: "Jeder braucht seinen Süden". Erschienen ist es im Suhrkamp Verlag. In ihm schreibt er: "Ich weiss, es gibt einen ultimativen Süden. Man trägt ihn mit und in sich, jederzeit."
Ich habe nur diesen einen Satz gelesen und war begeistert. Ich kann ja nicht immer ins Tessin reisen!
Ich setze mich jetzt hin, lese das Büchlein und lasse mir von Camartin eine Wegbeschreibung geben.
Foto einer Kunstkarte, der Künstler ist unbekannt , Verlag Antje Kunstmann, München
Text: Rahel Varnhagen, Tagebuch 11. März 1810

Mittwoch, März 22, 2006

Heiteres Darüberstehen


Dass ich gestern beim Coiffeur war, wäre ja an sich nicht erwähnenswert. Meine Frisur sah vor dem Besuch nicht schlimm aus und ja, nachher war sie schöner. Aber mir wurde dort furchtbar
schlecht und das kam so. Eine 17-jährige Lehrtochter wusch mir die Haare. Um ihren Hals flatterte ein schwarzer Schal, der sich alle Augenblicke zur Hälfte entrollte und immer wieder neu drapiert werden musste. Als ich sie erstaunt anblickte, erklärte sie, dass sie frisch operiert sei und nun Mühe habe, ihre Narbe anzusehen. Sie sprach leicht und beschwingt und mir wurde es vom Zuhören immer schwerer zu Mute. Sie schilderte die OP in den blutigsten Farben, mir entging kein Detail. Ich musste an die Textstelle in Beethovens Fidelio denken, wenn er singt: "Weh mir, weh mir! Was vernimmt mein Ohr!" Und dann wurde mir übel. Ich konnte die Veränderung der Gesichtsfarbe gleich im Spiegel mitverfolgen; sie wechselte von rot zu schneeweiss. Frische Luft und das gute alte Coca Cola belebten mich wieder.
Das Mitgefühl, na ja, bei mir war es eher mitleiden, wechselte abrupt die Seiten. Ich erhielt sogar ausser Programm eine Kopfmassage. Ich war äusserst froh, dass ich nicht auch noch ohnmächtig wurde, was durchaus auch hätte geschehen können.
Aber "Heiteres Darüberstehen", so der Titel eines Reclam Büchleins, wäre sicher von Vorteil.

Dienstag, März 21, 2006

Ich

Ich liebe dich.


Sag, dass du mich schön findest.
Sag, dass ich wichtig bin für dich.
Sag, dass du mich liebst.

Ich habe bei Theodor Storm nachgeschlagen und eine Antwort in seinem Gedicht gefunden, wenn er schreibt:

Für einen Ungeliebten
Höre auf, dich zu betrüben,
Heitre deinen bangen Sinn!
Will denn keine dich mehr lieben,
Eile nur zum Echo hin.
Ruf nur laut: "Wer liebt denn mich?"
Und du hörst ein dreifach: "Ich!"

Montag, März 20, 2006

Frühlig im Tessin

Wandbild in der Kirche Santa Maria degli Angioli










Wir haben in Lugano nicht nur den Frühling gesehen! Wir genossen die italienische Atmosphäre, die Leichtigkeit, narürlich auch die Küche und das verbunden mit der Schweizer Mentalität. Eine grossartige Mischung!

Sonntag, März 19, 2006

Frühlingsgefühle

Ich habe den ganzen Tag immer wieder versucht, Bilder hochzuladen, aber es funktionierte leider nicht. Ich werde es morgen wieder probieren.

Es war eine sehr unterhaltsame, vergnügte Reise, die wir nach Lugano unternahmen. Wir verbrachten unbeschwerte Stunden und schwelgten in Jugenderinnerungen. Wir suchten den Frühling und fanden ihn auch. Er drang durch alle Ritzen, weckte die schlafende Natur und vermittelte uns eine Ahnung von zukünftigem Glück.

"Leise zieht durch mein Gemüt
Liebliches Geläute.
Klinge, kleines Frühlingslied,
Kling hinaus ins Weite.

Kling hinaus, bis an das Haus,
Wo die Blumen spriessen.
Wenn du eine Rose schaust,
Sag ich lass sie grüsssen."
Heinrich Heine

Donnerstag, März 16, 2006

Lesezeichen

Gestern standen wir Kopf. Wir haben intensiv nach einem Einzahlungsschein gesucht. Eben war er noch da und dann war er weg. Wir haben alles durchstöbert und wurden nicht fündig. Wir führten sogar eine Grundsatzdiskussion über Ordnung halten, Verantwortung tragen..
Und dann, heute Morgen, habe ich ihn gefunden! Er lag wohlbehütet im Gedichtband, bei Ringelnatz!

An M.
"Der du meine Wege mit mir gehst,
Jede Laune meiner Wimper spürst,
Meine Schlechtigkeiten duldest und verstehst--.
Weisst du wohl, wie heiss du oft mich rührst?

Wenn ich tot bin, darfst du gar nicht trauern.
Meine Liebe wird mich überdauern
Und in fremden Kleidern dir begegnen
Und dich segnen.

Lebe, lache gut!
Mache deine Sache gut!"
Joachim Ringelnatz

Würden sich doch alle verlorenen gegangenen Sachen so leicht und elegant wieder einfinden! Zum Beispiel mein Lapislazuli-Fingerring. Ich habe ihn von Mama und meinen Schwestern zum 40. Geburtstag bekommen. Aber ehrlicherweise habe ich noch nicht in allen meinen Büchern nachgeschaut, ob er vielleicht irgendwo sitzt und einen Text liest!

Mittwoch, März 15, 2006

Morgengabe



Heute Morgen bin ich fröhlich aufgewacht
und habe an den Frühling gedacht.
Ich vermeinte die Osterglocken zu hören schon,
da klingelte das Telefon!

Wie recht er doch immer hat, "mein" Wittkamp!
Ich bin nämlich aus heiterem Himmel eingeladen worden, am Freitag mit nach Lugano zu fahren!

Frantz Wittkamp schrieb:
"Könnte das nicht möglich sein?
Es liesse sich doch denken.
Einer kommt zur Tür herein
und will mir etwas schenken."

Ich muss das jetzt Wittkamp mitteilen, dass so etwas möglich ist. Dass es mir passiert ist.

Dienstag, März 14, 2006

Mond





Heute Abend ging ich auf Mondsuche. Ich habe ihn schliesslich im Garten gefunden. Der Mond schien nur darauf gewartet zu haben, dass ich ihn entdecke. Er lachte mir zu und schlug vor, mit ihm Verstecken zu spielen. Er verbarg sich hinter Wolken, Häusern, Bäumen und Bergspitzen. Sein heller Schein hat mir immer verraten, wo er sich aufhält, überall habe ich ihn aufgespürt.

Hier einige Haikus:
"Im Mondlicht sehen
die Vogelscheuchen wie Menschen aus -
erbarmenswert."
Shiki

"Gross und hell der Mond.
Ich ging und ging, aber
der Himmel blieb fern."
Chiyo-ni

"Mond und Blumen, ach -
neunundvierzig Jahre
umhergegangen und die Zeit vertan."
Issa

Montag, März 13, 2006

Meisterwerke


Manchmal packen mich Zweifel und ich frage mich:
Warum noch selber Gedichte und Prosa schreiben? Skulpturen modellieren? Es gibt ja so viele wunderschöne, berührende, zärtliche, liebevolle, eindrückliche Texte. Sie sind so virtuos, man kann keine einzige Silbe an ihnen weglassen, nichts hinzufügen, sie sind wahre Meisterwerke. Zum Beispiel das nachfolgende Gedicht von Brecht. Er findet es so wichtig, dass der Schriftsteller ihm sogar den Titel gibt:

Morgens und abends zu lesen
----------------------------
"Der, den ich liebe
Hat mir gesagt
Dass er mich braucht

Darum
Gebe ich auf mich acht
Sehe auf meinen Weg und
Fürchte von jedem Regentropfen
Dass er mich erschlagen könnte."
Bertolt Brecht

Meine Rechtfertigung und Entschuldigung besteht darin dass, obwohl alle Wörter, alle Themen schon gesagt, meisterhaft dargestellt wurden, ich es unbedingt noch auf meine eigene Weise tun möchte. Und weil es mir grosse Freude bereitet und mich glücklich macht.

Sonntag, März 12, 2006

Schneelandschaft






Der grosse Schnee ist wieder nach Valbella gekommen. Das Dörfchen, der See, der Wald sehen wunderschön winterlich aus. Der Winter hat sein Zepter noch nicht an den Frühling weiter gegeben. Heute Morgen waren wir schon früh unterwegs. In knietiefem Schnee stapften wir um den See und kämpften gegen Wind und Wetter. Es war eine wahre Freude!

Samstag, März 11, 2006

Punkt Punkt Komma Strich....






Als Kind habe ich leidenschaftlich gern gezeichnet. Leider habe ich keine grosse künstlerische Entwicklung durchgemacht. Nun knüpfe ich dort an, wo ich damals aufgehört habe. Das Wetter unterstützt mich bei meinem Vorhaben, es lädt nicht unbedingt ein, nach draussen zu gehen. Ich nehme meine Kohlenstifte und zeichne fröhlich nach dem Motto: Punkt Punkt Komma Strich :-)
Fertig ist das Angesicht!

Donnerstag, März 09, 2006

Heile Heile Säge, Drei Tag Räge, Drei Tag Schnee...



Oh je, oh je!
Margrit ist während des Hundespaziergangs auf dem Glatteis ausgerutscht und unglücklicherweise auf die linke Hand gefallen. Nun ist das Handgelenk gebrochen. Die OP hat sie schon glücklich überstanden.
Nach Rotkäppchens Beispiel mache ich mich auf den Weg und besuche die Patientin. Heute ist auch noch ihr Geburtstag. In meinem Körbchen sind Blumen, ein Bergkristall, homöopathische Mittel und ein Gugelhopf. Ich muss nicht mit einem Wolf kämpfen, aber für den Hund bringe ich vorsorglicherweise einen Knochen mit!
Als ich sie sehe wünsche ich ihr: " Viel Glück und viel Segen!" Sie meint darauf: "Das hättest du mir besser schon früher wünschen können."

Mittwoch, März 08, 2006

Internationaler Frauentag

Ich war heute im Kino und sah den Schweizerfilm: Handyman
Ich habe mich sehr amüsiert und war erstaunt zu sehen, wie viele Schauspieler und Nichtschauspieler sich bemüht haben, in diesem Film mitzuwirken.
Mit den nachfolgenden Zitaten möchte ich den heutigen Tag ausklingen lassen.

"Ich glaube, dass Männer mit
einem gepiercten Ohr besser
auf die Ehe vorbereitet sind.
Sie haben Erfahrungen mit Schmerzen
und haben schon mal ein Schmuckstück gekauft."
Rita Rudner

"Mit der Zeit habe ich gelernt,
dass das Wichtigste an einem Kleid
die Frau ist, die es trägt."
Coco Chanel

"Erst wenn das Männliche
weiblich und das
Weibliche männlich,
wirst du ins Himmelreich eintreten."
Thomas-Evangelium

"Wenn die Grossmütter sprechen, wird die Erde geheilt
Wenn die Grossmütter beten, wird Weisheit enthüllt
Wenn die Grossmütter singen, wird die Erde zu einem Ganzen."
Aus dem Newsletter des Circle of Grandmothers

Dienstag, März 07, 2006

Schneesturm






St. Gallen liegt in tiefem Winterschlaf. Doch plötzlich gerate ich in einen kleinen Schneesturm. Innert Sekunden verschwindet die Sonne, der Himmel verdunkelt sich und es beginnt zu schneien und hört nicht mehr auf. Wie verzaubert präsentiert sich die Welt. Das dichte Schneetreiben bringt den ganzen Verkehr zum Erliegen. Ueberall liegt die weisse Pracht. Ich habe die Strasse für mich und ich tanze mit den Schneeflocken. Gestern wurde ich mit Konfetti überschüttet und heute schenkt mir der Himmel so viele Schneeflocken wie ich tragen kann. In mir ertönt eine leise helle Musik aus Schnee.

Montag, März 06, 2006

Drey Daag offe





Heute Morgen fuhren Felix und ich direkt von Valbella nach Basel an die Fasnacht. Wir wechselten von einem Schneegebiet ins andere! Die Schneeflocken vermischten sich mit dem Konfettiregen. Eine Kanone verpasste mir eine Ladung voll ins Gesicht, die Rose wurde mir aber direkt nachher hinterher geworfen. Nach den obligatorischen Fastenwähen tranken wir Glühwein. Ich war sehr beeindruckt von den wundervollen Masken, der Musik und der ausgelassenen, fröhlichen Atmosphäre. Der Fasnachtsumzug war genial.

Wer live dabei sein will, klickt hier. Gezeigt werden Livebilder vom Barfüsserplatz (2), Rümelinsplatz, Marktplatz und der Greifengasse. Weiter Impressionen (CD) sowie Infos zur Basler Fasnacht gibt's auf der offiziellen Webseite www.fasnacht.ch.

Sonntag, März 05, 2006

Eingeschneit





So quasi mit den Schneeflocken kam ich übers Wochenende nach Valbella. Wohin ich auch blicke, die Welt hat fast nur eine einzige Farbe: WEISS

"Ein Himmel, der nicht lachen kann.
Die Sonne will nicht scheinen.
Ein grauer Tag von Anfang an.
Ein schöner Tag zum Weinen."
Frantz Wittkamp

Samstag, März 04, 2006

Seidentuch






Als ich in London war, blies ein starker Wind. Es war sehr kalt und ich fror. Dies war Grund genug, mich vom Seidentuch im Schaufenster anlocken zu lassen. Das
Motiv zeigt den Karneval von Venedig. Ein Tanz mit Masken. Das Leben als Tanz.

Frantz Wittkamp:
"Es fielen beim Gedichtemachen
dem Dichter diese Zeilen ein:
Das Leben ist ein Grund zum Lachen.
Zum Lachen und zum Traurigsein."

Ich stand noch unter dem Eindruck des Aschermittwochs und sann über den Tod nach. Er heisst vorwärts und rückwärts gelesen dasselbe. Wir kommen aus dem Tod und wir werden wieder in ihn gehen. Die Buchstaben d und r wurden in den Aenderungen der deutschen Sprache oft untereinander ausgetauscht: Tod ist auch Tor. Das Motiv mit dem Totentanz haben viele Komponisten, Maler und Schriftsteller aufgenommen.

Natürlich habe ich das Seidentuch gekauft!

Mittwoch, März 01, 2006

Ich denke an Dich



Wenn ich an Dich denke,
wird es ganz hell in mir.