Donnerstag, November 06, 2008

Inneres Land

Zu meiner grossen Freude entdeckte ich das neueste Buch der katalanischen Autorin Maria Barbal:

"Inneres Land"

Dieser Roman liest sich wie eine Fortsetzung von "Wie ein Stein im Geröll".
Er ist aus der Perspektive von Conxas Enkelin Rita geschrieben und richtet sich in der Du-Form an ihre Mutter Elvira.
Rita weiss um das grosse Leid, das ihrer Mutter widerfahren ist. Ritas Grossvater wurde vor den Augen ihrer Grossmutter und ihrer Mutter von Soldaten gefangen genommen und später erschossen. Rita, die Ich-Erzählerin versucht ihr Leben lang den Schmerz der Mutter zu lindern. Sie tastet sich zu ihr vor wird aber immer wieder zurückgestossen. Die Mutter ist ganz in ihrem Schmerz versunken und trauert ihr zutiefst um den deportierten Vater.

Rita sagt: "Zu dir habe ich mir ein anderes Verhältnis gewünscht. Von dir wollte ich hören, dass ich dich für all das Leid, das du einmal erlitten hast, entschädigen würde, du solltest mich auffordern, jeden einzelnen deiner Wege zu erkunden."

Und später: "Nicht nur du besitzt ein inneres Land, wie ich lange Zeit geglaubt habe. Jetzt weiss ich, dass jeder von uns eine vielfältige und einzigartige Landschaft in sich trägt, mit geheimen Orten, so wie man sie in einem jeden Land findet."

Der Roman erzählt von einer schmerzhaften, schwierigen Mutter-Tochter-Beziehung.
Das Trauma des Bürgerkriegs, erstreckt sich über Generationen und findet erst Heilung als die Toten gewürdigt, die Schuld eingestanden und um Vergebung gebeten wird.

Sehr berührend fand ich, als ganz am Schluss des Romans die Mutter ihrer Tochter einen grossen Strauss Malven schenkt.

Auf dem Buchumschlag steht: "In einer sensiblen, variantenreichen Sprache lässt Maria Babal eine intensive Suche nach verborgenem Schmerz und verborgener Liebe sichtbar werden, eine Suche, die schliesslich eine Brücke möglich macht nicht nur zwischen Mutter und Tochter, sondern auch zwischen zwei Generationen mit extrem unterschiedlichen Lebens- und Grenzerfahrungen."

Ich empfand das Buch als eine einzigartige Liebeserklärung der Tochter an ihre Mutter.

Rutschbahn




Mittwoch, November 05, 2008

neuer Präsident



Barack Obama schrieb Geschichte. Er wurde letzte Nacht zum ersten schwarzen Präsidenten der USA gewählt. Herzliche Gratulation!

Dienstag, November 04, 2008

Morgenrot




Heute Morgen bot sich mir ein himmlisches Schauspiel.
Ich wünsche euch einen wunderschönen Tag!

Sonntag, November 02, 2008

2. November




In Glurns besuchte ich den Friedhof, betrachtete die vielen Gräber und las fasziniert die Grabinschriften. Ganze Familiengeschichten und -tragödien enthüllten sich mir.

"Ich denke wieder an Spanien. Als Präsident Azana im Sterben lag - es war, glaube ich, in Andorra - sagte er: "Wie heisst jenes Land, Sie wissen schon, jenes Land, dessen Staatsoberhaupt ich war. . . "

André Malraux

Donnerstag, Oktober 30, 2008

Blättertanz



Diese Bäume habe fast alle ihre Blätter hergegeben. Ihre Äste sind beinahe kahl. Am Boden liegt die ganze Pracht.

Mittwoch, Oktober 29, 2008

Jeannettes Hinterhof


Es ist wie ein Tanz. Manche Menschen verliere ich aus den Augen, neue tauchen auf und begleiten mich ein Stück, einige bleiben nur kurz, andere länger, einzelne gehen den ganzen Weg mit mir.


"Die ganze Welt ist Bühne
Und alle Fraun und Männer blosse Spieler.
Sie treten auf und gehen wieder ab,
Sein Leben lang spielt einer manche Rollen. . ."

Shakespeare, "Wie es euch gefällt" (2. Akt, 7. Szene)

Dienstag, Oktober 28, 2008

EIN WELKES BLATT. . .

"Ein welkes Blatt - und jedermann weiss: Herbst.
Fröstelnd klirren die Fenster zur Nacht.
O grüne Welt, wie grell du dich verfärbst!

Schon raschelt der Winter im Laube.
Und die Vögel haben, husch, sich aus dem Staube
gemacht.

Wie letzte Früchte fielen ihre Lieder vom Baum.
Nun haust der Wind in den Zweigen.

Die Alten im Park, sie neigen
Das Haupt noch tiefer. Und die Liebenden
Schweigen.

Bald sind alle Boote im Hafen.
Die Schwäne am Weiher schlafen
Im Nebellicht.

Sommer - entflogener Traum!
Und Frühling - welch sagenhaft fernes Gerücht!

Ein welkes Blatt treibt still im weiten Raum,
Und alle wissen: Herbst"

Mascha Kaléko
1907 - 1975

Freitag, Oktober 24, 2008

Willkommen, du wunderschönes Kälbchen!




Das Glück stand, allerdings noch auf wackligen Beinen, direkt am Strassenrand. Mit dem Auto fuhr ich den gewohnten Weg nach Hause und bemerkte aus dem Augenwinkel heraus, dass es auf der Kuhwiese Zuwachs gegeben hatte. Schnell stoppte ich, stieg aus und begrüsste voller Freude und Staunen Kuh und Kälbchen.

Mittwoch, Oktober 22, 2008

Wie ein Stein im Geröll

Das folgende Gedicht habe ich am Morgen gelesen und es hat mich den ganzen Tag über begleitet. Besonders der Schlusssatz ist hängen geblieben: "Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht."


Der schöne 27. September

"Ich habe keine Zeitung gelesen.
Ich habe keiner Frau nachgesehn.
Ich habe den Briefkasten nicht geöffnet.
Ich habe keinem einen guten Tag gewünscht.
Ich habe nicht in den Spiegel gesehn.
Ich habe mit keinem über alte Zeiten gesprochen und
mit keinem über neue Zeiten.
Ich habe nicht über mich nachgedacht.
Ich habe keine Zeile geschrieben.
Ich habe keinen Stein ins Rollen gebracht."

Thomas Brasch

Dann griff ich in der Buchhandlung zu einem schmalen Büchlein, es hat nur nur gut 150 Seiten.

"Wie ein Stein im Geröll"
von Maria Barbal

Conxa, ein Bauernmädchen aus den spanischen Pyrenäen, wird als 13 - jährige zu einer Schwester ihrer Mutter und deren Ehemann gebracht. Fortan soll sie dort leben. Beim kinderlosen Paar arbeitet sie auf dem Feld und im Haus. Später heiratet sie ihre grosse Liebe Jaume.

"Man hätte meinen können, Jaume sei einzig und allein nur deshalb auf der Welt, um mir all meine Ängste zu nehmen, ein Licht anzuzünden, wo ich nur Dunkelheit sah, und um alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, wenn sie sich vor mir wie ein riesiger Berg aufzutürmen schienen."

Conxa und Jaume haben drei Kinder. Während des Bürgerkriegs wird Jaume erschossen und Conxa wird mit ihren Kindern für kurze Zeit ins Gefängnis gesperrt. Sie steht unter grossem Schock und sagt:

"Ich fühle mich wie ein Stein im Geröll. Wenn irgend jemand oder irgend etwas mich anstösst, werde ich mit den andern fallen und herunterrollen; wenn mir aber niemand einen Stoss versetzt, werde ich einfach hierbleiben, ohne mich zu rühren, einen Tag um den anderen. . ."

Conxa muss nun den Hof alleine bewirtschaften.
Als alte Frau folgt sie später ihrem Sohn nach Barcelona in eine ganz andere, fremde Welt, in ein Haus mit sieben Stockwerken. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

"Barcelona, das ist ein Haus, dessen Fenster nicht zur Strasse schauen. Sie schauen auf den Hausflur und den Dienstbotenaufzug.
Barcelona, das ist ein ferner Himmel und schreckhafte Sterne. Das ist ein feuchter Himmel und ein grauer Regen.
Barcelona, das ist niemanden zu kennen. Nur die Familie. Und manchmal zu hören, wie mit merkwürdigen Worten gesprochen wird. Das ist zu vergessen, welche Laute die Tiere daheim von sich geben, um gegen Abend zu sehen, wie Hunde an einer Leine ausgeführt werden.
Barcelona, das ist ein kleines Brot, das jeden Tag aufgegessen wird, und das ist Milch aus einer Flasche, ganz weiss, ohne Rahm, und ganz dünn im Geschmack.
Und das ist jeden Tag zu begreifen, dass ich nur noch zu ganz wenigen Arbeiten tauge. Manchmal nach dem Essen die Teller abspülen. Aber wer weiss, ob sie dann auch wirklich sauber sind. Und wenn am Abend Barcelona zu einer Geschichte von dort oben wird, dann ist da niemand, dem ich sie erzählen kann, und allen ist es lästig, dass aus diesem Abend in Barcelona ein Stück Abenteuer aus einer vergessenen Bergwelt werden soll."

Der Schluss lautet:
"Barcelona, das ist für mich etwas sehr Schönes.
Die letzte Stufe vor dem Friedhof."


Der Roman wird aus der Sicht von Conxa erzählt. Die Sprache ist einfach, bescheiden, schnörkellos, ruhig, fast archaisch. Ich hätte noch stundenlang weiter lesen mögen.
Conxa berichtet von ihren Leiden, von den Freuden, dem Glück, das sie mit Jaume findet, sie erzählt von der Kraft und der Schönheit der Natur, den Katastrophen, dem Krieg und macht deutlich, dass ihr Leben kein Einzelschicksal ist sondern stellvertretend für ganz viele Frauen steht.

Dienstag, Oktober 21, 2008

Ofenpass




Auf der Rückfahrt fuhren wir über den Ofenpass. Einmal mehr wollten wir gar nicht weiter fahren. Diese grandiosen Schneeberge, die goldenen Tannen, der warme Sonnenschein erfüllten uns mit Entzücken und Dankbarkeit.

Montag, Oktober 20, 2008

Herbstfarben





Rund um den Kalterer See zeigt sich der Herbst in leuchtenden Farben. Die Traubenlese hat begonnen.

Jedes Blatt

"Ich sage dir was ich sehe manchmal
Jedes Blatt einzeln am Baum oder
Aufm Kies kleine Sicheln oder wie das
Weitergeht mit mir: kurze Aufenthalte
Alles wieder zusammenpacken und fort"


Sarah Kirsch

Freitag, Oktober 17, 2008

Zakhor. Al Tichkah. Erinnere dich. Vergiss niemals.


Bei ihr habe ich diesen Buchtipp gesehen. Herzlichen Dank!

"Sarahs Schlüssel"
von Tatiana de Rosnay

Die Originalausgabe (auf Französisch) erschien unter dem Titel:
"Elle s' appelait Sarah"

Diese ergreifende Geschichte handelt von der kleinen Sarah, die am 16. Juni 1942 mitten in Paris mit vielen andern jüdischen Familien von der französischen Polizei deportiert wurde. Der Deckname für diese unmenschliche Aktion lautete: "Frühlingsbrise". Als die Polizei eintraf, versteckte Sarah ihren kleinen Bruder in einem geheimen Wandschrank. Flüsternd versprach sie ihm, ihn sobald als möglich wieder zu befreien. Es gelingt ihr die Flucht und mit dem Schlüssel in der Hand macht sie sich auf den Weg ihr Versprechen einzulösen.
60 Jahre später begibt sich eine Journalistin auf die Suche nach Sarah.

Die Autorin schreibt im Vorwort:
"Dies ist kein historisches Werk und hat auch nicht den Anspruch, eines zu sein. Ich möchte damit den Kindern des "Vél d' Hiv" meinen Tribut zollen, die nie mehr zurückgekommen sind. Und denen, die überlebt haben, um davon zu berichten."

Tatiana de Rosnay erzählt zwei Geschichten. Nämlich die von Sarah und die der amerikanischen Journalistin, die erfährt, dass die Familie ihres Mannes nach der Gefangennahme von Sarahs Familie in deren Wohnung gelebt hat.

Ich habe dieses Buch in einer Nacht durchgelesen und es ist mir sehr zu Herzen gegangen.

Donnerstag, Oktober 16, 2008

Nun geht unsere Fahrt weiter nach Graun, wo wir den halbversunkenen Kirchturm bestaunen.

Glurns, das kleine Festungsstädtchen besitzt noch völlig intakte Stadtmauern.

Mit dem Wohnmobil kommen wir jedoch nicht durch das Stadttor. Durch Überschwemmungen wurde der Boden immer weiter angehoben, sodass die Durchfahrtshöhe sehr niedrig ist.

Das kleine Städtchen ist wunderschön, voll malerischer Winkel und Gassen.

In Meran besuchen wir den Soldatenfriedhof. Hunderte von kleinen Kreuzen stehen im Gras.


Frage und Antwort

"Was kann man
gegen die Trauer tun?

eigentlich nichts

ausser trauern."

Franz Hohler

Mittwoch, Oktober 15, 2008

Dankeschön


Liebstes Schwesterlein nicht nur die winzigen Vögel sind bei Dir gelandet, Deine weit ausgestreckten Hände haben auch noch andere Zugvögel angelockt. :-) Wie haben wir es genossen vor Deinem Heim zu campen und von Deinem reich gedeckten Tisch zu essen.

"Das ist der Gastfreundschaft tiefster Sinn,
einander Ruhe zu geben auf dem Weg nach dem ewigen Zuhause."

Romano Guardini

Dienstag, Oktober 14, 2008

Montag, Oktober 13, 2008

Fahrt ins Süd - Tirol

Am Marmorerasee (GR) machen wir einen Halt.
Der erste Schneeball fliegt über den See.

Wir bewundern den Seen, die verschneiten Berge, die herbstlichen Bäume.

Weiter geht die Fahrt zu Lulu nach St. Moritz.

Dort wandern wir zum Stazersee und nehmen entzückt die grossartige Landschaft in uns auf.

"So ruhig geh ich meinen Pfad,
so still ist mir zumut,
es dünkt mich jeder Weg gerad,
und jedes Wetter gut.

Wohin mein Weg mich führen mag,
der Himmel ist mein Dach,
die Sonne kommt mit jedem Tag,
die Sterne halten Wacht.

Und komm ich spät, und komm ich früh
ans Ziel, das mir gestellt:
verlieren kann ich mich doch nie
o Gott, aus Deiner Welt."

Joseph Freiherr von Eichendorff